Hier berichte ich laufend über die Leptospirose-Erkrankung meines Hundes DC und dessen Verlauf.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Tag 6 - DC wird munter

Tag 4 in der Vetsuisse:

Soeben hatte die betreuende Tierärztin angerufen: DC ist noch munterer als gestern. Heute würde er ihr richtig gut gefallen. Er weiss mittlerweile auch, wie alles abläuft und was jetzt kommt. Kaum war die Dialyse zu Ende, wollte er aufstehen und vom Tisch springen, weil er ja gewusst hätte, was jetzt kommt. Ja, das klingt  so langsam wieder nach meinem Buben *Herzchen in den Augen* Er nimmt sehr gern vorweg, weil er ja weiss was kommt.
Die Werte waren heute bei 600. Sie machten aber dennoch direkt die dritte Dialyse, damit sie nicht wieder so hoch ansteigen.
Ihre Chefin hatte heute nochmal die Nieren geschallt und gesagt, wenn sie nicht wüsste, dass es ein Nierenpatient sei, sie würde der Niere kaum ansehen, dass da etwas nicht stimmt. Die würden im Moment der Situation entsprechend sehr gut aussehen. Auch die roten Blutplättchen sind bereits etwas mehr geworden. Sie schätzte vorsichtig ein, dass aktuell gerade keine Gefahr besteht, dass es in die Lunge blutet, man müsse es aber nach wie vor im Auge behalten, weil es immer noch nicht vom Tisch ist.

Heute morgen wollte er immer noch nichts essen. Wenn es zum piseln geht, geht er nicht mehr einfach nur mit und macht dort, wo sie in hinbringen. Seit heute morgen (eigentlich seit gestern Abend bei meinem Mann und mir) zeigt er ihnen, wo er piseln möchte und wo es gar nicht geht und würde sie direkt dorthin ziehen.
Sie wollte ihm dann nochmal etwas zu essen anbieten und sei gespannt, ob er jetzt etwas nehmen mag. Falls nicht, ist jetzt der Zeitpunkt, wo  Sven oder ich noch versuchen sollen, ob er von uns etwas annehmen mag.
Wenn nicht, würde er etwas durch die Sonde bekommen. Die Sonde muss nicht extra gelegt werden, das machen sie jeweils prophylaktisch damit sie bei Bedarf schon vorhanden ist und stecken sie mit dem Herzkatheter für die Dialyse zusammen. Leptospirosenhunde mögen oft lange nichts essen, weil Leptospiren dafür sorgen, dass ihnen elend übel ist.  Ihr wäre es deutlich lieber, er würde heute etwas von ihr oder uns annehmen, als dass sie auf die Sonde zurückgreifen müssen.
Aber: wenn er länger nüchtern bleibt, besteht  die Gefahr, dass sich die Bauchspeicheldrüse zu entzünden beginnt und dass dann von dort weitere Probleme dazukommen, die sie gern vermeiden möchte. Weil die letzte Nahrungsaufnahme (die ihm noch blieb und in die Verdauung ging) liegt nun doch etwas länger zurück. (In der Tat, das war  Mittwoch abends und somit sind die 7 Tage rum.....).
Ach Bubi, es klingt super wie es dir geht, aber bitte bitte, iss heute etwas, damit dir die Sonde erspart bleibt!!! *doll feste Daumen drück*

Und das Beste: ich darf ihn gleich besuchen!*jubel*

Die Tierärzte sagen mir aber auch immer wieder, nicht euphorisch zu werden, da alles immer noch kippen kann und er nach wie vor nicht über dem Berg ist.




Besuch bei DC:

Ich war ja mächtigst gespannt, nachdem er heute so munter sein soll. Ja, war er dann auch, hatte kurz auf meinen Mann und mich reagiert, hatte dann aber gleichzeitig Stress geschoben. Er fiepte und winselte los, wie er mich erblickte und kam nicht zur Ruhe. Ich habe die ersten drei Sekunden nicht verstanden, was los ist und dachte, ev. piseln? Ich habe ihn geschnappt und bin dann erstmal sehr zielstrebig raus vor die Klinik.
Dort habe ich gemeint, ich traue meinen Augen nicht. Der Bube hatte 5 riesengrosse Seen gepinkelt. Gezielt. Wenn er zwischen zwei Pinkelplätzen wechselte, lief es einfach weiter aus ihm raus, wie wenn er völlig undicht wäre. Meine Augen wurden grösser und grösser. Ich dachte, jetzt muss dann aber bald mal gut sein. Aber es hörte über mehrere Minuten nicht mehr auf. Ich bin mir einiges gewohnt, aber sowas habe ich selber bisher nie gesehen.
Im ersten Moment dachte ich, er würde so lange einhalten, weil er ja absolut nicht reinmacht und die würden zu wenig mit ihm raus. Ich wollte die Tierärztin drauf ansprechen.
Ich hatte auch den Eindruck, dass er Kot absetzen muss, aber wie nicht konnte. Immer wieder drehen, Plätzchen suchen....

Ich bin wieder rein, weil die Tierärztin noch zu mir kommen und ich diesen Termin nicht verpassen wollte. Ich wollte vor allem sehen, wie DC auf sie reagiert. War aber ok für ihn, er schmiegte sich an sie, als sie zu ihm auf den Boden ging, lies sich kraulen und massieren, wollte ihr das Gesicht abschlabbern (macht er nur bei Leuten, die er wirklich mag), wedelte und lehnte sich letztendlich volle Kanne an sie. Das tat gut, das zu sehen. Er ist diesbezüglich nicht typisch Labi, der zu allen hingeht und das von allen zulässt. Er zeigt ganz genau, wen er mag und wen er doof findet ;-)

Ich sprach die Unmengen an: sie meinte, das sei für den Krankheitsverlauf sehr normal. Wenn Nierenpatienten erst nicht mehr pinkeln könnten, das konnte DC nicht mehr, und es dann wieder gehe, würde die erste Zeit Unmengen rauskommen. Sie würden sich über diese Unmengen freuen und es zeigt, dass der Heilungsverlauf so tut, wie er soll. Sie sagte aber auch, dass das momentan für den Hund auch unangenehm ist. Weiter berichtete sie, dass sie mit DC stündlich rausgehen.

Sie fragte mich, ob DC schon immer auf Martinshorn reagiert hätte. Heute auf dem Spaziergang sei eine Ambulanz an ihnen vorbei und er hätte mächtigst zu bellen begonnen (war das erste Mal, dass sie alle ihn bellen hörten).
Ja, ist normal. Er reagierte schon als Welpe auf Martinshörner. Das hat wegen mir auch noch zugenommen. Für mich sind Martinshörner aufgrund meiner Unfälle Trigger. Er reagiert dabei auf meine Emotionen und grosse Beklemmung, die die bei mir auslösen und reagiert entsprechend. Männe und ich habens im Griff, so dass er nicht bellt und emotional in keine Schieflage kommt. Aber sie konnten es ja nicht wissen und zudem, sie hätten ihn auch gar nicht "guddele" können, da er aktuell eh nichts nimmt.

Sie hat, bevor wir kamen, versucht ihm Essen an zu bieten. Er wollte nichts. Sie bat, dass wir es versuchen. Hatte extra dieses Hochkalorienfutter mitgenommen. Bei uns sah sie dann einen kleinen Fortschritt. Er kam interessiert gucken, was wir werkeln und schnüffeln. Sie sagte, immerhin zeige er schon mal Interesse, das hätte er bei ihnen noch nicht gezeigt. Das wars dann aber auch schon. Als wir es ihm anboten, erst versuchte ich, dann Sven, schnüffelte er zwar jeweils kurz dran und lief davon.
Die Tierärztin meinte, sie würde es später am Abend nochmal versuchen. Ich lies das Hochkalorienfutter dort. Das wird allerdings seine letzte Chance sein. Wenn er auch später nichts nimmt, wird er über die Sonde angefüttert. Sie fragte mich noch, was ich ihm so alles gebe. Als ich meinte, dass wenn er mal paar Tage nicht fressen wollte, ich immer mit Morosche Karottensuppe angefangen hätte. Sie meinte, das sei gut, ob ich ihm morgen eine mitbringen mag? Ja klar, ich tu alles, damit mein Stritzi wieder Appetit bekommt. Der Plan ist, dass er heute über die Sonde angeschubst wird und wenn er morgen die Suppe nehmen mag, ich in nächster Zeit was von zu Hause mitbringe, das er mag. Einfach mal seine Lieblingsmenues durchgehen. Ich finde es echt Klasse, wie sie heute in der Klinik auf solche Individualitäten Rücksicht nehmen.
Die Bauchspeicheldrüsenwerte sind seit heute erhöht. Darum sei es so wichtig, dass ab heute etwas in den Hund "muss".
Noch würde er keine Symptome zeigen, wie Erbrechen oder Durchfall. Aber wenn wir da nicht aufpassen, hätte er bald die nächsten Probleme. Wie gesagt von diesen unbedenklichen 5 - 7 Tage, ist die Frist jetzt abgelaufen. Es sind auf die Stunde genau 7 Tage :-(
Ansonsten ist auch sie DCs Charme erlegen und mag ihn total gern. Sie erzählte mir nochmal ganz genau die Situation, als die Dialyse fast zu Ende war. Kaum war die Dialyse fertig wollte DC runter vom Tisch und sofort los. Er wäre richtig angenervt gewesen, wie langsam es ging, bis er wieder alle Verbände und Schläuche (Halskatheter, Braunüle, usw.) an Ort gepackt und verbunden bekommen hätte. Ja, das ist mein Bube, sowas geht ihm immer viiiiel zu wenig schnell :-) Die Tierärztin ist dann grad mit ihm raus (also ganz raus, vor die Klinik) und er hat Seen gepinkelt.

Sie fragte mich noch, ob es DC helfen könnte, auch mal Sami zu sehen. Als wir bejahten, bekamen wir das ok, die beiden mal zusammen zu führen nachher draussen. Und sie meinte, wir sollen sie doch ab den nächsten Besuchen mitbringen.
Nach dem Gespräch mit der Tierärztin sind wir nochmal mit DC raus, weil er drinnen einfach nicht zur Ruhe kommen wollte. Die Pinklerei ging weiter, aber irgendwann nach gefühlten Stunden versiegte sie dann doch mal. Wir sind auf dem Klinikgelände rumspaziert, er hatte stellenweise einen flotten Trab drauf, und schnüffelte interessiert, reagierte auf Umweltgeräusche, nahm immer wieder Blickkontakt mit mir auf. Er versuchte augenscheinlich Kot ab zu setzen, aber es ging nicht. Wir sind fast über eine Stunde mit ihm um die Klinikgebäude gezogen, aber es wollte und wollte einfach nicht. In dieser Stunde haben wir auch mal Sami dazu geholt. DC, der sie sonst heiss liebt, interessierte sich nicht wirklich für sie. Dafür sie sich umsomehr für ihn. Sie hat ihn immer wieder abgeschnüffelt, vorallem am Hals, unter den Verbänden usw. und sie wollte immer wieder mit ihm schmusen. Aber ihm wurde es zuviel. So ging dann Sven eine Runde mit Sami und brachte sie wieder in's Auto. Auch wenn wir das ok haben, werden wir sie so lange nicht mit zu DC nehmen, bis es ihm noch etwas besser geht. Ich blieb bei DC. Er wurde müde und ich entschied, dass es besser ist, ihn wieder rein zu bringen. Da er ja die ganze Nacht stündlich rausgebracht wird, hatte ich da nicht so grosse Bedenken, ihn rein zu bringen, auch wenn er nicht konnte. (Beschäftigt hatte es mich aber).

Ich bin so froh, hat in dieser Klinik ein Umdenken stattgefunden, bezüglich dass man die Hunde besuchen darf. Früher hiess es, dass ihm die ständigen Trennungen nicht gut tun würden. Die Tierärztin heute sagte, dass man merkt, dass DC Kraft durch unsere Besuche ziehen kann und dass sie ihm gut tun. Bisher habe ich nicht den Eindruck, dass ihm der Abschied etwas ausmacht. Wir gestalten den immer gleich: die Frau, die ihn zurückbringt, holt ihn bei uns ab. Männe und ich machen absolut keine Aufbruchstimmung. Wir bleiben einfach wartend, wo wir gerade sind. Und bis jetzt ist er noch jedesmal schwanzwedelnd mit. (Er geht nicht mit, wenn er jemanden nicht mag).

Ich bin nun sehr auf Morgen gespannt. Zum einen, ob die ersten Ergebnisse endlich kommen, zum andern, wie es bezüglich Essen/Sonde genau weiter ging und ob er ev. bereits wieder selber essen mag. Ich hoffe es so sehr. Mein kleiner grosser starker Kämpfer!

 

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