Hier berichte ich laufend über die Leptospirose-Erkrankung meines Hundes DC und dessen Verlauf.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Tag 8 - Besuch vom Mittwoch und news vom Donnerstag

Tag 6 in der Vetsuisse:

Ich war gestern so enttäuscht und niedergeschlagen wegen Samis Reaktion auf DC, dass ich gestern nichts mehr schreiben mochte.



DC war in etwa so drauf wie die letzten zwei Tage auch. Auf der einen Seite recht munter, auf der anderen Seite merkte ich sowie die Tierärzte, dass ihm "hundeelend speiübel" ist. Immerhin hat er es bei uns geschafft, endlich etwas Kot ab zu setzen.

Die  Morosche Karottensuppe war dann auch ein Fehlgriff. Er wollte immer noch nicht. Als ich ihm seine geliebte Futtertube anbot, setzte er sich sofort vor mich hin. Hatte schon die Hoffnung. Er aber schleckte einmal daran, ohne gross was zu erwischen, schleckte noch zweimal in die Luft und wandte sich von der Tube ab. Wie wenn er auf der einen Seite leichten Hunger hätte, aber auf der andern eben auch nicht will, weil ihm so übel ist. Nun gut, bekam er weiterhin über die Sonde.

Nachdem er mit der See-Pinklerei fertig war wollten wir rein, da noch das persönliche Gespräch anstand, um das ich gebeten hatte. Dabei sollten wir Sami mitnehmen. Die Tierärztin wollte kurz drüber gucken, sie wägen und Antibiotika gegen Leptospirose mitgeben, um auf der etwas sichereren Seite zu sein.
Sven holte Sami, ich wartete mit DC. DC erkannte Sami von weitem und begann freudig zu wedeln und ging ihr einige Schritte entgegen. Und was macht die Hexe? Ohne jegliche Vorwarnung, ganz so wie in den ersten Tagen, als sie zu uns kam, packte sie DC am Hals und wollte ihn "runter kiffeln". Sie lies sich verbal dazu hinkriegen, von DC ab zu lassen. Der arme Bube wusste gar nicht, wie ihm geschah. Männe und ich hätten nicht gedacht, dass das zu einem Problem wird, hatte sie ihn am Vortag eingehend abgeschnüffelt. Die Tierärztin meinte später dazu, dass es schon sein kann, dass er ihr einfach zu stak nach Krankenhaus roch. Ich hoffe, dass dies ein einmaliger Ausrutscher war. Jedenfalls habe ich direkt beschlossen, dass Sami bei keinem weiteren Besuch mehr mit anwesend sein wird. Vorallem nicht  so lange DC noch voller Schläuche und Geschichten steckt.

Hexe abzugeben! Ich bezahle noch sFr. 100.-- damit sie jemand nimmt! :-p


Besuch am Mittwoch draussen vor der Klinik:





Wir wurden noch aufgeklärt, dass wenn wir grippeähnliche Symptome bei uns feststellen sollen, wir umgehend den Arzt aufsuchen und explizit drauf hinweisen, dass wir einen Leptospirenhund haben. Die meisten Docs würden dann vermutlich sagen, dass sie sich damit zu wenig auskennen. Wir hätten auch die Möglichkeit, in die Human-Uniklinik zu fahren. Dort wüssten sie aufgrund der engen Zusammenarbeit mit der Tieruni gut Bescheid.
Auch wenn DC bereits nicht mehr Leptospiren ausscheiden kann, sollen wir in nächster Zeit jedesmal die Hände gründlich waschen, wenn wir mit ihm Kontakt hatten.
Am kommenden Wochenende können sie sagen, ob DC über dem Berg ist. Bisher schaut es gut aus, da Leber und Lunge immer noch clear sind. Aber die Gefahr vom Lungenbluten bleibt bis ca. kommendes Wochenende nach wie vor bestehen.
Bezüglich Nieren können sie momentan keine weiteren Prognosen abgehen, als sie bisher eh schon genannt haben. Hierbei meinen sie vor allem den Aspekt, erholt sich die Niere vollständig, oder bleibt eine chronische Niereninsuffizienz zurück. Beides ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Wenn er nach Hause kommt, wird er noch sehr stark angeschlagen, schwach und stak müde sein. Auch müssen wir dann in regelmässige Kontrollen, um zu gucken, was die Niere macht. Er wird sicherlich anfangs und eine ganze Weile viel mehr trinken und viel mehr raus müssen, als wir uns das bisher gewohnt waren.
Ob es einer purinarmen Ernährung bedarf, kann sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, das hängt davon ab, in welchem Zustand die Niere sein wird letztendlich. Es bestünde aber die Möglichkeit, einer Nierendiät. Habe gerade insistiert und gesagt, dass ich dies ganz sicher nicht in die Hände der Futtermittelindustrie lege sondern selber kochen werde. Ich sei schon dabei, mich in purinarme Ernährung ein zu lesen und ein zu arbeiten. Sie meinte, sie hätten eine Ernährungsberaterin in der Klinik, deren Job einzig die Ernährung der Tiere sei und die gern helfen würde, mich mit entsprechenden Tips zu versorgen, da die Leute immer häufiger selber kochen wollen, wenn es um purinarme Ernährung geht.
Habe gesagt, komme sehr gern auf ein beratendes Gespräch zurück, wenn dies bei DC angezeigt sei.
Leider hat DC heute gekotzt, obschon er wieder Medis gegen Übelkeit bekam. Dadurch, dass gestern seine Bauchspeicheldrüsenwerte erhöht waren, gefällt das der Tierärztin nicht. Sie geht mittlerweile davon aus, dass die Bauchspeicheldrüse entzündet ist. Morgen werden sie diesbezüglich nochmal die Werte anschauen. Sie ist sich heute nicht ganz schlüssig, woher seine Übelkeit genau kommt: Bauchspeicheldrüsenentzündung sorgt für Übelkeit, Leptospiren sorgen für Übelkeit, langes nüchtern bleiben sorgt für Übelkeit und sie meinte, mit grosser Wahrscheinlichkeit sogar einfach eine Mischung aus all diesen Aspekten.
In Anbetracht dessen geht sie davon aus, dass vor allem heute erstmal nicht zu erwarten ist, dass er etwas essen mag.

Aber, es gibt auch positive Nachrichten: seine Nierenwerte waren heute, obschon gestern keine Dialyse "nur" 500. Somit bekam er auch heute keine Dialyse. Die Werte werden morgen neu geprüft und dann wird erneut entschieden, ob es noch eine braucht oder nicht. Von den Werten her geht es an die Dialyse, wenn sie so 700 / 750 erreichen würde und dann auch je nach Zustand des Hundes. Sie würden nicht die Werte alleine anschauen, sondern auch, wie sich der Hund zeigt.
Gestern sagte sie, wenn alles so wie gehabt weiter verläuft, dürfe er bald nach Hause. Gleichzeitigt sagte sie, wenn sie ihn noch weiter mit Infusionen unterstützen müssen, müsse er noch bisschen länger bleiben.
DC wog 37 kg, als wir in die Vetsuisse sind. Gestern wog er 33,9. Und heute 33,4 kg. Also die Flüssigkeit kommt endlich aus ihm raus. Sie erklärte mir gestern, dass dies aber auch nicht zu schnell passieren darf, sonst könnte es ihm den Kreislauf zusammenhauen. Nun war mir auch klar, warum ich gestern die ganze Zeit den Eindruck hatte, dass ihm schwindelig ist (es "haute" ihn immer schwankend herum beim laufen).
Darum erhält er seit gestern nun wieder Infusionen, um diesen imensen Wasserverlust nicht zu rasant werden zu lassen.
Und Leute, haltet euch fest, heute sagte sie am Telefon: wenn es mit DCs Heilungsverlauf weiterhin so verläuft wie bisher , und er sein Trink/Piselverhalten die nächsten Tage weiterhin so gut in den Griff bekommt, dass er nicht weiter infundiert (an den Tropf gehangen) werden muss, darf ich gaaaaaaaaaaaaaanz vorsichtig damit rechnen, dass er anfangs/Mitte nächster Woche nach Hause darf! TSCHAKKA! TSCHAKKA! YAY! Ich hoffe es sooooooooooooooooo sehr, meinen Buben endlich wieder hier zu haben. Er fehlt an jeder Ecke und überall. Es ist viel zu ruhig zu Hause ohne meinen Stritzi :-)
Gleich darf ich ihn wieder besuchen! *fröi fröi*





Besuch:

Beim Besuch von DC stellte ich fest, dass es ihm nicht wirklich gut ging. Ihm war mehr als einfach nur speiübel. Er mochte auch nicht spazieren gehen, kam nur schnell mit  raus um zu piseln und wollte direkt wieder rein. Essen anbieten war unmöglich, schon als er bemerkte, dass jemand etwas auspackte, lief er direkt davon. Die Tierärztin meinte denn auch, aufgrund dessen, dass die Bauchspeicheldrüsenwerte nochmal angestiegen sind und ihm so übel ist, erwarte sie heute eher nicht, dass er fressen würde.  Ich geriet abends zu Hause in Panik, dass er am Ende nicht nach Hause kann, weil er nicht fressen mag.

Als wir wieder drinnen waren, war er unstetig und kam so gar nicht zur Ruhe. Selbst die sanften Massagen, die er sonst liebt, vermochten ihn nicht in die Ruhe zu bringen.
Entsetzt stellte ich fest, dass er erste Symptome von"Hospitalismus" zu zeigen beginnt (die wohl bekannteste Form davon ist, wenn z.B. Zirkustiere, die ständig eingesperrt sind, in ihren viel zu engen Käfigen "hin und her tigern" oder sonstige stereotypen Verhaltensauffälligkeiten zeigen).
Bei DC äusserte sich das so, dass er im Zimmer ein grosses L abgelaufen ist. Mit starrem Blick zuerst Richtung Wand. Vor der Wand umdrehen, ein Stück zurück, dann rechts abbiegen Richtung Türe. Bei der Türe kurz durch das schmale Glas auf den Flur gucken, und wieder zurück. Links abbiegen, wieder Richtung Wand. Vor der Wand umdrehen, Stück zurück, usw. in einer Endlosschleife.
Er lies sich stimmlich rausholen und kurz ablenken. Dann lief er wieder von neuem los auf seinem L. Lag er, stand er immer wieder auf und lief immer wieder von neuem diese L-Route ab.
Mir zerriss es fast das Herz. Es wird echt Zeit, den Buben nach Hause holen zu können.
Ein schwacher Trost: er sucht immer mehr die Nähe der Tierärztin und der TierpflegerInnen und schmust mit ihnen. Immerhin muss er darauf nicht gänzlich verzichten (er ist diesbezüglich mega anhänglich). Wann immer sie können und Zeit haben, geben sie ihm auch diese Schmuseeinheiten. Trotzdem ersetzt es halt nicht "im Alltag bei seinen Leuten sein".
Als ich die Tierärztin darauf ansprach, hatte auch sie Tränen in den Augen.
Mir fiel es am Donnerstag extremst schwer, ihn weiterhin zurück lassen zu müssen, auch wenn er in der Vetsuisse sicherlich in guten Händen ist. Leider ist er bis zum Wochenende immer noch nicht über den Berg, so dass er noch bisschen bleiben muss.


DC am Donnerstag:





Der Tierarzt aus dem TÜZ hat sehr warmherzig zurückgeschrieben. Das ging mir so nahe, dass ich endlich wieder einmal weinen konnte und das hatte auch eine befreiende Wirkung.

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